Gedenk-Uraufführung in Schwedt

Um dem Naziterror zu entkommen, wurden im Jahr 1939 17 unbegleitete jüdische Kinder im Alter von 7 bis 12 Jahren auf dem Schiff „Orama“ nach Australien gebracht. Unter ihnen befand sich der heute 93jährige bekannte australische Komponist George Dreyfus, der schon 2002 für seine Verdienste um den deutsch-australischen Kulturaustausch das Bundesverdienstkreuz erster Klasse erhielt.

Für die Feierlichkeiten „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ schrieb er 2020 ein Chorwerk über den jüdischen Widerstand „Der Herbert-Baum-Gruppe zum Gedenken“. Die Uraufführung vertraute er dem Leiter des Marzahner Kammerchores, Wilfried Staufenbiel, an.

Diese fand am 27.08.2021 anlässlich eines Festaktes zur Eröffnung des jüdischen SEMINARhauses in Schwedt statt. Ein bewegender Moment, denn genau an dieser Stelle wurde die dortige Synagoge in der Pogromnacht 1938 dem Erdboden gleichgemacht.

Der unter den Gästen weilende Brandenburger Ministerpräsident Dietmar Woidke betonte „Das Gebäudeensemble der früheren Jüdischen Gemeinde Schwedt mit den einst blühenden Maulbeerbäumen galt seit jeher als eines der wichtigsten jüdischen Denkmale in Brandenburg. Die heutige Eröffnung zeigt auf beeindruckende und berührende Weise, wie umfassend die Wiedererweckung gelungen ist. Schmerz und Trauer vereinen sich an diesem besonderen Ort mit Gedenken und Wissensvermittlung.“

Die im Anschluss an die Aufführung eröffnete Ausstellung „Die Kinder der Orama“ zeigt sehr persönlich und emotional eine zeitgenössische Perspektive auf die Prozesse des kollektiven Erinnerns und Vergessens. Die Ausstellung ist der Wandlitzer Künstlerin Josie Rücker zu verdanken, die – von George Dreyfus inspiriert – auf die Suche nach den Spuren der Kinder der Orama ging und u.a. in New York und Australien eigenständig und umfangreich recherchiert hatte und die Ausstellung gestaltete.

Mit einer Auswahl von jiddischen Liedern und Liedern jüdischer Komponisten trug der Marzahner Kammerchor sein Übriges zum Gelingen der Veranstaltung bei, u.a. mit dem appellierenden „Lomir sich iberbetn“ – „Wir wollen uns versöhnen“.

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